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HPP-Bestehen

Beruf & Entscheidung

Wie angesehen ist der HPP? Kritik & Realität

Der Heilpraktiker für Psychotherapie polarisiert. Statt das schönzureden, benennt dieser Überblick die wichtigsten Kritikpunkte offen — und ordnet jeden sachlich ein. Denn wer den Weg geht, sollte die Einwände kennen und ihnen begegnen können.

Stand: 19. Juni 2026 · Quellen u. a.: § 1 HeilprG, § 1 PsychThG, Münsteraner Memorandum (2017), Bundespsychotherapeutenkammer, OLG Düsseldorf (I-15 U 39/16).

Rechtlich
legaler Beruf

§ 1 HeilprG, sektorale Erlaubnis

Ausbildung
nicht geregelt

amtliche Überprüfung statt Examen

In der Kritik
ja, organisiert

Ärzteschaft, Kammern, Skeptiker

Abschaffung
nicht beschlossen

Reform diskutiert, rechtlich offen

Ehrlicher Rahmen

Diese Seite wischt Kritik nicht weg — sie nimmt sie ernst und ordnet sie ein. Wichtig dabei: Viele der lautesten Stimmen vertreten eigene Interessen — Ärzte- und Psychotherapeutenkammern ebenso wie Skeptiker-Organisationen auf der einen, HPP-Verbände auf der anderen Seite. Wir benennen die jeweilige Position und ihre Herkunft, statt sie als neutrale Wahrheit auszugeben.

Kritikpunkt 1

Der „Schmalspur“-Vorwurf

Keine geregelte Ausbildung, nur eine amtliche Überprüfung.

Der Vorwurf

Für den HPP gibt es keine staatlich geregelte Ausbildung mit verbindlichen Standards. Die Überprüfung beim Gesundheitsamt ist im Kern eine Wissens- und Unbedenklichkeitsprüfung, kein Staatsexamen, das therapeutische Kompetenz nachweist. Die Bundespsychotherapeutenkammer spricht von fehlenden bundesweiten Standards, keiner Kammer und keiner Berufsaufsicht; die Rechtsgrundlage stammt aus einem Gesetz von 1939.

Einordnung: Der Befund stimmt — und genau deshalb ist die bestandene Prüfung eine Mindestschwelle, kein Qualitätssiegel. Der HPP ist ein rechtlich klar geregelter Beruf mit definierten Befugnissen und Grenzen; die fachliche Qualität entsteht aber über die freiwillige Ausbildung und Fortbildung der einzelnen Person. Seriöse Praxen investieren deutlich mehr als das gesetzliche Minimum — worauf es bei der Ausbildung ankommt, lesen Sie separat.

Kritikpunkt 2

Wissenschaft und die Nähe zur Esoterik

Der Vorwurf, außerhalb wissenschaftlicher Standards zu arbeiten.

Der Vorwurf

Skeptiker-Organisationen wie die GWUP argumentieren, Heilpraktiker arbeiteten außerhalb geltender wissenschaftlicher Standards. Kritisiert wird vor allem die häufige Nähe zu pseudomedizinischen und esoterischen Methoden — eine in Skeptikerkreisen verbreitete (allerdings nicht fachlich begutachtete) Erhebung im Raum München kam auf einen hohen Anteil von Praxen, die solche Methoden zusätzlich anbieten.

Einordnung: Dieser Punkt trifft einen wunden Nerv — und enthält zugleich den Schlüssel zur Antwort. Wer sich klar an wissenschaftlich gestützten Verfahren orientiert und esoterische Heilsversprechen meidet, entzieht der Kritik die Grundlage. Bemerkenswert: Selbst innerhalb des wissenschaftsnahen Lagers ist man uneins über den richtigen Weg — das Deutsche Netzwerk Evidenzbasierte Medizin teilt zwar die Sorge, lehnte aber die konkreten Reformvorschläge der Kritiker ab. Die Debatte ist differenzierter, als es zugespitzte Schlagzeilen nahelegen.

Nicht der Titel entscheidet über das Ansehen, sondern wie seriös die einzelne Person arbeitet.
Der Kern der Sache

Kritikpunkt 3

Die Reform- und Abschaffungsdebatte

Politische und ärztliche Forderungen, das Heilpraktikerwesen zu ändern.

Der Vorwurf

Das „Münsteraner Memorandum Heilpraktiker“ (2017) eines interdisziplinären Kreises empfiehlt langfristig zwei Wege: den Heilpraktikerberuf abzuschaffen oder ihn durch eine wissenschaftsorientierte, staatlich geprüfte Qualifikation zu ersetzen. Es bezieht sich auf Heilpraktiker allgemein, nicht nur auf die Psychotherapie. Auch einzelne Ärztefunktionäre fordern die Abschaffung; Verbraucherschützer warnen vor dem Risiko, dass wirksame Behandlungen unterbleiben.

Einordnung: Die Debatte ist real, aber ergebnisoffen — beschlossen ist nichts. Ein im Auftrag des Bundesgesundheitsministeriums erstelltes Rechtsgutachten kam laut Medienberichten 2021 zu dem Schluss, dass das geltende Heilpraktikerrecht erheblichen Reformbedarf hat, eine vollständige Abschaffung rechtlich derzeit aber nicht tragfähig wäre. Für angehende HPP heißt das: Der Beruf steht unter Beobachtung — ein Grund mehr, fachlich über jeden Zweifel erhaben zu arbeiten.

Kritikpunkt 4

Verwechslung mit dem approbierten Psychotherapeuten

Ähnliche Bezeichnungen, sehr unterschiedliche Wege.

Der Vorwurf

Die Bezeichnungen ähneln sich, die Qualifikationen nicht — das schürt Misstrauen. Schon vor Jahren mahnte das Deutsche Ärzteblatt, keinem Patienten sei zuzumuten, sich mit den unterschiedlichen Zulassungen vertraut zu machen. Die Verwechslungsgefahr wird als Risiko für die informierte Entscheidung von Patient:innen gesehen.

Einordnung: Hier liegt die Lösung in der eigenen Hand. Den Titel „Psychotherapeut“ dürfen ausschließlich approbierte Personen führen (§ 1 PsychThG); der HPP führt eine eigene, rechtlich abgesicherte Bezeichnung. Das OLG Düsseldorf hat die Bezeichnung „Heilpraktiker für Psychotherapie“ als objektiv richtig angesehen, soweit sie von der erteilten Erlaubnis gedeckt ist — zugleich aber ihre grundsätzliche Eignung zur Verwechslung anerkannt. Wer von sich aus transparent kommuniziert, macht aus dem Kritikpunkt einen Vertrauensvorteil. Die Unterschiede im Detail: HPP vs. Psychotherapeut und HPP vs. Psychologe.

Die Realität

Wo der HPP tatsächlich steht

Rechtlich gefestigt: Der HPP ist kein Graubereich. Die Heilkundeerlaubnis beruht auf § 1 HeilprG; die auf Psychotherapie beschränkte (sektorale) Variante ist seit den 1990er-Jahren durch die Rechtsprechung anerkannt.

Im Versorgungskontext: Die approbierte Richtlinienpsychotherapie hat regional erhebliche Wartezeiten (die Bundespsychotherapeutenkammer nannte 2018 im Schnitt rund 20 Wochen bis zum Behandlungsbeginn — das betrifft die gesetzliche, kassenfinanzierte Psychotherapie, nicht den HPP). In dieser Lücke bieten HPP einen niedrigschwelligen Zugang — als Selbstzahlerleistung.

Verbreitung: Belastbare amtliche Zahlen fehlen, weil es keine zentrale Registrierung gibt. Schätzungen gehen von mehreren tausend tätigen HPP in Deutschland aus — der Beruf ist also keine Randerscheinung, seine genaue Größe aber nur näherungsweise bekannt.

Fazit für Angehende

Anerkennung verdient man sich

Ansehen ist beim HPP nicht automatisch da — es entsteht durch die eigene Arbeit.

Mehr Ausbildung als das Minimum

Die bestandene Überprüfung ist die rechtliche Mindestschwelle, kein Qualitätssiegel. Wer fundiert ausbildet, Verfahren sauber lernt und sich kontinuierlich fortbildet, hebt sich sichtbar ab.

Evidenzorientiert statt esoterisch

Die schärfste Kritik zielt auf die Nähe zu pseudomedizinischen Methoden. Eine klare Orientierung an wissenschaftlich gestützten Verfahren ist daher das wichtigste Seriositätsmerkmal.

Grenzen kennen und einhalten

Bei organischer Ursache, akuter Gefährdung oder über der eigenen Kompetenz wird überwiesen. Saubere Abgrenzung schützt Patient:innen — und das Ansehen des Berufs.

Korrekt benennen

Die eigene Rolle transparent darstellen, nicht den Anschein einer Approbation erwecken. Wer ehrlich kommuniziert, baut Vertrauen auf, statt es zu verspielen.

  1. 1

    Fundiert ausbilden — über die Prüfung hinaus

    Die amtliche Überprüfung ist der Startpunkt, nicht das Ziel. Eine solide therapeutische Ausbildung in mindestens einem Verfahren ist die Grundlage seriöser Arbeit.

  2. 2

    Evidenzorientiert arbeiten

    Methoden wählen, die fachlich gestützt sind, und sich klar von esoterischen Heilsversprechen abgrenzen — genau hier setzt die Kritik an.

  3. 3

    Rolle und Grenzen klar kommunizieren

    Die korrekte Bezeichnung führen, nicht den Eindruck einer Approbation erwecken, und bei Bedarf überweisen. Transparenz schafft Vertrauen.

  4. 4

    Sich fortbilden und vernetzen

    Kontinuierliche Fortbildung und Supervision sind nicht vorgeschrieben, aber das, was Qualität über die Jahre sichert.

Seriös werden beginnt mit solider Vorbereitung

Die Kritik setzt an fachlicher Tiefe an — genau dort können Sie sich abheben. HPP-Bestehen lässt Sie Anamnese, Diagnostik und Gesprächsführung an realistischen Fällen üben und macht sichtbar, wo Sie noch nachschärfen sollten.

Häufige Fragen

Ist der Heilpraktiker für Psychotherapie seriös?

Der Beruf ist rechtlich klar verankert (§ 1 HeilprG). „Seriös“ hängt aber an der einzelnen Person: Es gibt kein einheitliches Ausbildungsniveau, das Spektrum reicht von knapp bestandener Prüfung bis zu hoch qualifizierter Arbeit. Entscheidend sind fundierte Ausbildung, evidenzorientierte Methoden, korrekte Selbstdarstellung und das Einhalten der eigenen Grenzen.

Wird der Heilpraktiker für Psychotherapie abgeschafft?

Aktuell nicht. Es gibt seit Jahren eine Reformdebatte, und Teile der Ärzteschaft und Wissenschaft fordern Abschaffung oder strengere Regulierung. Ein im Auftrag des Bundesgesundheitsministeriums erstelltes Rechtsgutachten kam laut Medienberichten 2021 zu dem Ergebnis, dass erheblicher Reformbedarf besteht, eine Abschaffung rechtlich derzeit aber nicht tragfähig sei. Beschlossen ist nichts.

Warum steht der HPP in der Kritik?

Vor allem aus drei Gründen: Es gibt keine staatlich geregelte Ausbildung, sondern nur eine amtliche Überprüfung („Schmalspur“-Vorwurf); Kritiker bemängeln eine Nähe zu wissenschaftlich nicht gestützten Methoden; und die Bezeichnung wird mit dem approbierten Psychotherapeuten verwechselt. Viele Kritikerstimmen kommen von Kammern, Ärzteschaft und Skeptiker-Organisationen — mit jeweils eigenen Interessen.

Darf sich ein HPP „Psychotherapeut“ nennen?

Nein. Die Bezeichnung „Psychotherapeut“ ist approbierten Personen vorbehalten (§ 1 PsychThG). Zulässig und korrekt ist „Heilpraktiker:in für Psychotherapie“ bzw. „Praxis für Psychotherapie nach dem Heilpraktikergesetz“. Wer hier den Anschein einer Approbation erweckt, riskiert Abmahnungen.

Ist der HPP wissenschaftlich anerkannt?

Es gibt keine wissenschaftlich-fachliche „Anerkennung“ des Berufsstands als solchen, und aus dem skeptischen Lager kommt deutliche Kritik. Anerkannt ist die rechtliche Befugnis. Fachliches Ansehen entsteht über die Methoden und die Qualität der einzelnen Person — nicht automatisch über den Titel.

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Dieser Artikel gibt ein Meinungs- und Debattenbild auf Basis öffentlicher Quellen wieder und ordnet es ein. Positionen werden ihren jeweiligen Urhebern zugeschrieben; viele stammen von Interessenvertretern (Ärzte- und Psychotherapeutenkammern, Skeptiker-Organisationen, HPP-Verbände). Der Text bewertet keine einzelne Praxis, ist keine Rechts- oder Berufsberatung und kein Heilversprechen. Maßgeblich für den Einzelfall sind die zuständigen Stellen und gegebenenfalls eine individuelle Rechtsberatung. HPP-Bestehen ist keine Behörde.