HPP vs. Psychologischer Psychotherapeut: Unterschiede im Überblick
Heilpraktiker:in für Psychotherapie (HPP) und Psychologische:r Psychotherapeut:in (PP) — beide dürfen psychische Störungen eigenverantwortlich behandeln. Ausbildung, Rechtsgrundlage, Kassenabrechnung und Aufsicht unterscheiden sich jedoch grundlegend. Dieser Überblick zeigt, worin.
Stand: 20. April 2026 · Quellen: HeilprG, PsychThG, Durchführungsverordnung zum HeilprG, §13 Abs. 3 SGB V, Bundespsychotherapeutenkammer.
Vergleichstabelle: 11 Dimensionen
Alle Angaben auf Basis aktueller Gesetzeslage (PsychThG-Reform 2020 berücksichtigt).
| Dimension | HPP | PP |
|---|---|---|
| Rechtsgrundlage | Heilpraktikergesetz (HeilprG) + Durchführungsverordnung | Psychotherapeutengesetz (PsychThG) |
| Zugangsvoraussetzung | mind. 25 Jahre, Hauptschulabschluss, gesundheitliche Eignung | Bachelor + Master Psychologie bzw. neues Direktstudium Psychotherapie |
| Abschluss | amtsärztliche Überprüfung beim Gesundheitsamt | Staatsexamen + Approbation |
| Geschützte Bezeichnung | „Heilpraktiker:in für Psychotherapie“, sektorale Erlaubnis | „Psychologische:r Psychotherapeut:in“, approbiert |
| Kassenzulassung (GKV) | nicht möglich | möglich über Kassensitz oder Kostenerstattungsverfahren |
| Abrechnung | Selbstzahler, teils PKV/Beihilfe je nach Tarif | GKV + PKV + Beihilfe |
| Rezepte / Krankschreibung | nicht erlaubt | nicht erlaubt |
| Zwangsmaßnahmen (PsychKG / BGB) | nicht befugt | nicht befugt — nur Ärzt:innen |
| Verfahren | frei wählbar, keine Richtlinienbindung | für GKV-Abrechnung Richtlinienverfahren (VT, TP, AP, Systemisch) |
| Fortbildungspflicht | keine gesetzliche Regelung | gesetzlich über die Psychotherapeutenkammer |
| Aufsicht | Gesundheitsamt / Ordnungsbehörde | Psychotherapeutenkammer des Bundeslandes |
Rechtsgrundlage: Zwei verschiedene Gesetze
Der wichtigste Unterschied liegt nicht in der Tätigkeit, sondern im rechtlichen Rahmen.
Was beide dürfen — und was nicht
Viele Grenzen gelten für beide Berufe. Einige Befugnisse trennen sie.
| Befugnis | HPP | PP |
|---|---|---|
| Psychische Störungen eigenverantwortlich behandeln | ||
| Gespräche, Verhaltensinterventionen, Entspannungsverfahren anwenden | ||
| Eigene Praxis gründen | ||
| Schweigepflicht, Dokumentations- und Aufklärungspflicht | ||
| Rezepte ausstellen (Medikamente) | ||
| Arbeitsunfähigkeit bescheinigen (Krankschreibung) | ||
| Geschlossene Unterbringung veranlassen | ||
| Mit gesetzlichen Krankenkassen direkt abrechnen | ||
| Gebührenordnung GOP / EBM nutzen | ||
| Approbierte:r Heilberuf führen |
Zugang und Kosten für Patient:innen
Der praktisch sichtbarste Unterschied im Versorgungsalltag.
Wichtig: Titelführung nach der HPP-Überprüfung
Nach bestandener amtsärztlicher Überprüfung darf ausschließlich die Bezeichnung „Heilpraktiker:in für Psychotherapie“ (oder „Heilpraktiker:in mit sektoraler Erlaubnis auf das Gebiet der Psychotherapie“) geführt werden. Bezeichnungen wie „Psychotherapeut:in“, „Psychologe:in“ oder bloß „Therapeut:in“ sind gesetzlich geschützt und dürfen nicht verwendet werden — andernfalls drohen berufsrechtliche und wettbewerbsrechtliche Sanktionen (PsychThG, UWG).
Sie haben sich für den HPP-Weg entschieden?
HPP-Bestehen ist eine Lernplattform für die amtsärztliche Überprüfung. Sie üben Erstgespräche mit KI-simulierten Patient:innen, trainieren den AMDP-Befund, Multiple-Choice-Fragen und Differenzialdiagnostik — und bekommen strukturiertes Feedback auf genau die Dimensionen, die in der mündlichen Prüfung zählen.
- Realistische Gesprächssimulation mit ICD-10-Fallbasis
- AMDP-Befund-Training mit direktem Feedback
- MC-Trainer, Lernkarten und Differenzialdiagnose-Modul
Häufige Fragen
Darf ein HPP dieselben Störungen behandeln wie ein:e Psychologische:r Psychotherapeut:in?
Grundsätzlich ja, mit Ausnahmen. Beide dürfen psychische Störungen eigenverantwortlich behandeln. Ausgeschlossen sind für den HPP unter anderem Zwangsmaßnahmen, Verschreibungen und meldepflichtige Infektionskrankheiten. Zusätzlich gilt die Pflicht zur sauberen Abgrenzung: Bei organischer Ursache, akuter Eigen- oder Fremdgefährdung oder Kindeswohlgefährdung ist an Ärzt:innen bzw. die zuständigen Stellen zu überweisen.
Wie lange dauert die Ausbildung zum HPP im Vergleich zum PP?
Für den HPP gibt es keinen gesetzlich geregelten Ausbildungsweg — viele bereiten sich 12 bis 36 Monate auf die amtsärztliche Überprüfung vor, im Selbststudium oder an privaten Schulen. Der Weg zum:zur Psychologischen Psychotherapeut:in dauert typischerweise rund 10 Jahre: 5 Jahre Studium und 5 Jahre Weiterbildung bis zur Approbation.
Bezahlt die gesetzliche Krankenkasse einen HPP?
Nein. Eine gesetzliche Krankenkasse erstattet HPP-Leistungen nicht. Einige private Krankenversicherungen und Beihilfestellen übernehmen Teile der Kosten — das hängt vom konkreten Tarif ab und sollte vor Behandlungsbeginn geklärt werden.
Darf ein HPP Medikamente verschreiben?
Nein. Die Verschreibung von Medikamenten, insbesondere verschreibungspflichtigen Psychopharmaka, ist Ärzt:innen vorbehalten. Auch Psychologische Psychotherapeut:innen haben keine Verschreibungsbefugnis.
Welche Therapieverfahren darf ein HPP nutzen?
HPP sind in der Wahl des Verfahrens nicht an die Richtlinienverfahren der GKV gebunden. Eingesetzt werden unter anderem Verhaltenstherapie, systemische Ansätze, Gesprächstherapie, körperorientierte Verfahren, Hypnose oder Entspannungsverfahren. Maßgeblich sind die Sorgfaltspflichten des HPP — nicht der Leistungskatalog der Krankenkassen.
Kann ich als HPP später Psychologische:r Psychotherapeut:in werden?
Nicht automatisch. Die Approbation zum:zur PP erfordert ein Psychologie- oder neues Psychotherapie-Studium und die anschließende Weiterbildung. Eine bestandene HPP-Überprüfung ersetzt weder Studium noch Approbation.
Welchen Titel darf ich als HPP führen?
Erlaubt ist ausschließlich die Bezeichnung „Heilpraktiker:in für Psychotherapie“ bzw. die beschreibende Form „Heilpraktiker:in mit sektoraler Erlaubnis auf das Gebiet der Psychotherapie“. Die geschützten Bezeichnungen „Psychotherapeut“, „Psychologe“ oder „Therapeut“ (ohne Zusatz) dürfen nicht geführt werden — das wäre ein Verstoß gegen PsychThG und UWG.
Ist ein:e PP „besser“ qualifiziert als ein:e HPP?
Die Ausbildungswege sind unterschiedlich lang und strukturiert — ein Pauschalurteil lässt sich daraus nicht ableiten. Entscheidend für die Behandlungsqualität sind im Einzelfall Erfahrung, Supervision, kontinuierliche Fortbildung und die Passung zwischen behandelnder Person und Patient:in.
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Dieser Artikel vergleicht zwei Berufsbilder auf Basis aktueller öffentlicher Quellen (HeilprG, PsychThG, §13 SGB V, Bundespsychotherapeutenkammer). Er ist keine Berufswahl-, Rechts- oder Behandlungsberatung. Maßgeblich für den Einzelfall sind die Angaben des jeweils zuständigen Gesundheitsamts, der Psychotherapeutenkammer und gegebenenfalls eine individuelle Rechtsberatung. HPP-Bestehen ist keine Behörde.