Was darf ein:e HPP? Befugnisse und Grenzen im Überblick
Ein:e Heilpraktiker:in für Psychotherapie darf psychische Störungen eigenverantwortlich behandeln — im Rahmen einer sektoralen Erlaubnis nach dem Heilpraktikergesetz. Was das konkret bedeutet, wo die Grenzen verlaufen und welche Pflichten bestehen, zeigt dieser Überblick.
Stand: 20. April 2026 · Quellen: HeilprG + Durchführungsverordnung, §§630a–630h BGB, §203 StGB, IfSG, PsychThG, UWG, HWG.
Was ein:e HPP darf
Die Kernbefugnisse im Rahmen der sektoralen Erlaubnis.
Was ein:e HPP nicht darf
Klare gesetzliche und berufsrechtliche Grenzen.
Keine Rezepte
Die Verschreibung von Medikamenten, insbesondere Psychopharmaka, ist Ärzt:innen vorbehalten. Ein HPP darf Medikamente weder verordnen noch empfehlen, die verschreibungspflichtig wären.
Keine Krankschreibung
Eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung darf nur von Ärzt:innen ausgestellt werden. HPP können allenfalls eine Behandlungsbescheinigung ausstellen, die den Zeitraum der Behandlung dokumentiert.
Keine Zwangsmaßnahmen
Geschlossene Unterbringung nach PsychKG oder BGB-Betreuungsrecht kann ausschließlich von Ärzt:innen initiiert werden. Bei akuter Eigen- oder Fremdgefährdung ist umgehend der ärztliche Notdienst oder die Polizei einzuschalten.
Keine körperlichen Erkrankungen
Die sektorale Erlaubnis ist strikt auf das Gebiet der Psychotherapie beschränkt. Somatische Beschwerden — auch wenn sie psychische Ursachen haben — gehören nicht in den Behandlungsauftrag des HPP.
Keine meldepflichtigen Infektionskrankheiten
Behandlung und Betreuung von Personen mit meldepflichtigen Infektionskrankheiten nach IfSG sind ausgeschlossen. Gleiches gilt für Geschlechtskrankheiten.
Keine geschützten Titel
Die Bezeichnungen „Psychotherapeut:in“, „Psychologe:in“ oder „Therapeut:in“ (ohne präzisierenden Zusatz) sind gesetzlich geschützt und dürfen nicht geführt werden — auch nicht in E-Mail-Signatur, Visitenkarte oder Social Media.
Überweisungs- und Weiterleitungspflichten
Vier Konstellationen, in denen Nichthandeln als Sorgfaltspflichtverstoß gewertet wird.
- 1
Organischer Verdacht
Zeigen sich Hinweise auf eine körperliche Ursache (Schilddrüse, Hirntumor, neurologische Erkrankung, Stoffwechselentgleisung), ist an Ärzt:innen zu überweisen. Die psychotherapeutische Behandlung kann parallel laufen, die somatische Abklärung muss erfolgen.
- 2
Akute Suizidalität oder Fremdgefährdung
Bei konkret geplanter, absehbar umsetzbarer Suizidalität oder akuter Fremdgefährdung ist unverzüglich ärztliche Hilfe einzuschalten — in der Regel über Notarzt (112) oder psychiatrische Klinik. Die Dokumentation der Gefährdungsabklärung ist verpflichtend.
- 3
Kindeswohlgefährdung
Bei konkreten Anhaltspunkten für Kindeswohlgefährdung gilt auch für den HPP ein Hinwirken auf Hilfen; ergänzend ist die Beratung durch eine insoweit erfahrene Fachkraft oder das Jugendamt angezeigt. Absolutes Schweigen steht in Konflikt mit dem Schutzauftrag.
- 4
Eigene Kompetenzgrenze
Wenn ein Störungsbild die eigene fachliche Erfahrung übersteigt oder eine Richtlinien-Psychotherapie medizinisch indiziert ist, gehört die Weiterverweisung an approbierte Psychotherapeut:innen zur beruflichen Sorgfaltspflicht.
Titelführung und Werbung
Besonders häufig abgemahnter Bereich — nicht aus eigenem Nutzen „vergessen“.
Dokumentations- und Sorgfaltspflichten
Die berufsrechtlichen Eckpfeiler, die bei Prüfung, Haftpflicht und Aufsicht zählen.
Rechtliche Abgrenzung trainieren
Die rechtliche Abgrenzung ist in der mündlichen HPP-Überprüfung ein zentrales Thema — und ein häufiger Durchfall-Auslöser. HPP-Bestehen trainiert exakt diese Situationen: Was fällt in meine Zuständigkeit, was muss ich überweisen, wie dokumentiere ich Gefährdungsabklärungen.
- Realistische Prüfer-Abschlussphase mit Rechtsfragen
- AMDP-Befund und strukturierte Diagnostik
- Feedback auf Gefährdungsabklärung und Überweisungspflicht
Häufige Fragen
Darf ein:e HPP Medikamente empfehlen?
Rezeptpflichtige Medikamente dürfen weder verordnet noch empfohlen werden. Nicht verschreibungspflichtige Präparate (z. B. pflanzliche Mittel) sollten nur mit Zurückhaltung und ohne Heilversprechen genannt werden — und nur dann, wenn sie auf das psychische Beschwerdebild bezogen sind.
Darf ein:e HPP Kinder und Jugendliche behandeln?
Grundsätzlich ja, mit Zustimmung der Sorgeberechtigten und unter Beachtung besonderer Sorgfaltspflichten. Bei Kindeswohlgefährdung ist der Schutzauftrag höher zu gewichten als die Schweigepflicht. Viele HPP spezialisieren sich nach entsprechender Weiterbildung bewusst auf Erwachsene oder auf Kinder und Jugendliche — das ist keine rechtliche Voraussetzung, aber eine Frage der Kompetenz.
Darf ein:e HPP Online-Therapie anbieten?
Ja, Videotherapie und andere Online-Formate sind zulässig, wenn datenschutzrechtliche Anforderungen (DSGVO, §203 StGB) erfüllt sind und die Qualität der Behandlung gesichert ist. Grenzen: bei akuter Gefährdung oder Diagnostik, die einen persönlichen Eindruck erfordert, ist ein Präsenztermin vorzuziehen.
Darf ein:e HPP Hausbesuche machen?
Ja. Hausbesuche sind zulässig und werden gelegentlich mit einer Fahrtkostenpauschale abgerechnet. Auch hier gelten die üblichen Sorgfalts-, Dokumentations- und Schweigepflichten.
Darf ein:e HPP eigene Diagnosen stellen?
Im Rahmen der sektoralen Erlaubnis dürfen psychiatrische Diagnosen nach ICD-10 gestellt werden. Eine Überweisung zur ärztlichen Abklärung ist immer dann erforderlich, wenn eine organische Ursache nicht ausgeschlossen ist oder das Störungsbild die eigene Kompetenzgrenze überschreitet.
Darf ein:e HPP zur Anwaltssache oder im Familiengericht aussagen?
Als Zeugin oder Zeuge grundsätzlich ja — unter Berücksichtigung der Schweigepflicht und nur mit Einwilligung der Patient:in bzw. auf gerichtliche Anordnung. Eine Gutachtertätigkeit ist nur bei entsprechender zusätzlicher Qualifikation sinnvoll und wird oft von Approbierten oder Fachärzt:innen übernommen.
Muss ein:e HPP eine Fortbildung nachweisen?
Eine gesetzliche Fortbildungspflicht besteht — anders als bei approbierten Psychotherapeut:innen — nicht. Berufsverbände empfehlen jedoch dringend regelmäßige Supervision und strukturierte Fortbildung; viele Haftpflichtversicherer verlangen dies in den Vertragsbedingungen.
Kann die HPP-Erlaubnis widerrufen werden?
Ja. Das zuständige Gesundheitsamt kann die Erlaubnis bei Unzuverlässigkeit, gesundheitlicher Nichteignung, groben Sorgfaltsverstößen oder berufsrechtlichen Verstößen widerrufen — etwa bei wiederholter Missachtung der Überweisungspflicht, schwerer Dokumentationsmängel oder Verstößen gegen UWG/HWG.
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Dieser Artikel fasst den rechtlichen und berufsrechtlichen Rahmen des Heilpraktikers für Psychotherapie auf Basis öffentlicher Quellen zusammen (HeilprG + Durchführungsverordnung, §§630a–630h BGB, §203 StGB, IfSG, PsychThG, UWG, HWG sowie Kommentierungen und Verbandsempfehlungen). Er ersetzt keine individuelle Rechts- oder Steuerberatung. Verbindlich sind im Einzelfall die Auskunft des zuständigen Gesundheitsamts und gegebenenfalls eine anwaltliche Beratung. HPP-Bestehen ist keine Behörde.