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HPP-Bestehen

10 typische Fehler in der mündlichen HPP-Prüfung

In der mündlichen Überprüfung entscheidet sich die HPP-Prüfung — und oft nicht am Wissen, sondern an der Methodik. Diese zehn Fehler tauchen in Prüfungsprotokollen und Rückmeldungen der Kommissionen immer wieder auf. Jeder einzelne ist vermeidbar, wenn er bewusst trainiert wird.

Stand: 18. April 2026 · Grundlage: publizierte Prüfungsprotokolle von Fachverbänden (VFP u. a.), Berichte nicht bestandener Prüflinge, Auswertung der Fehlerkategorien in Rückmeldungen der Gesundheitsämter.

  1. 1

    Vorschnelle Verdachtsdiagnose

    Fehler: Nach zwei Sätzen Symptombeschreibung kommt bereits eine Diagnose-Benennung — ohne Anamnese-Breite, ohne Differenzialdiagnostik, ohne Gefährdungsprüfung.

    Besser: Erst systematisch Anamnese erheben (Anlass, Symptomdauer, Verlauf, Biografie, Substanzen, Gefährdung), dann Verdachtsdiagnose formulieren und mindestens zwei Alternativen durchdenken, bevor man sie ausspricht.

  2. 2

    Fehlende aktive Gefährdungsabklärung

    Fehler: Suizidalität, Fremdgefährdung oder Kindeswohl werden nicht explizit erfragt. Die Kommission wartet darauf, dass der Prüfling diese Fragen von sich aus stellt — und hakt nach, wenn sie ausbleiben.

    Besser: Bei jedem Fall mit depressiver, psychotischer oder Belastungssymptomatik die Gefährdungsabklärung als festen Schritt einbauen: Konkrete Frage nach Suizidgedanken, Plan, Mitteln, Schutzfaktoren. Keine Hoffnung auf implizite Antworten.

  3. 3

    Rechtliche Einordnung diffus

    Fehler: Auf eine konkrete Rechtsfrage (Unterbringung, Aufklärungspflicht, Abgrenzung zu Arzt und Psychotherapeut) kommt eine vage Antwort ohne Rechtsgrundlage.

    Besser: Für jede relevante Situation eine Rechtsnorm benennen können — HeilprG, PsychThG, PsychKG des jeweiligen Landes, BGB-Betreuungsrecht, StGB (Garantenstellung). Es muss nicht die Paragraphennummer sein, aber die Grundlage.

  4. 4

    Keine Rollen-Transparenz

    Fehler: Der Prüfling suggeriert, alles selbst behandeln zu können — auch körperliche Befunde, Medikamente oder akute Gefährdung. Das ist in der HPP-Logik disqualifizierend.

    Besser: Die eigene Rolle als beschränkt auf das Gebiet der Psychotherapie klar benennen. Bei organischem Verdacht, Suizidalität, Fremdgefährdung oder Kindeswohl aktiv an Arzt, Psychotherapeut oder Polizei überweisen beziehungsweise einbeziehen.

  5. 5

    Monolog statt Dialog

    Fehler: Auf eine kurze Frage folgt eine mehrminütige Antwort, in der der Prüfling alles sagt, was er zum Thema weiß. Die Kommission verliert den Faden und kann keine Folgefragen mehr stellen.

    Besser: Strukturiert antworten: erst die Kernaussage, dann eine Begründung in zwei bis drei Sätzen, dann Pause. Die Kommission steuert die Tiefe durch Folgefragen — das ist ihr Job, nicht der des Prüflings.

  6. 6

    Stilles Denken

    Fehler: Bei einer komplexen Frage schweigt der Prüfling 30 Sekunden, denkt nach, sagt dann das Ergebnis. Die Prüferkommission hat keine Chance, den Denkprozess zu bewerten oder zu korrigieren.

    Besser: Laut denken. Kurz ansagen, dass man strukturiert herangehen möchte, dann die Schritte aussprechen — Hypothese, Abwägung, Entscheidung. Das zeigt Fachkompetenz auch dort, wo das Endergebnis unsicher ist.

  7. 7

    Sich von Gegenfragen verunsichern lassen

    Fehler: Die Kommission fragt nach der ersten Antwort zurück — ob man sich sicher sei — und der Prüfling ändert sofort die Antwort. Das wirkt unsicher und kippt oft die vorher richtige Aussage.

    Besser: Gegenfragen sind Teil der Prüfung und bedeuten nicht automatisch, dass die Antwort falsch war. Kurz innehalten, die eigene Begründung gedanklich prüfen und dann entweder bei der Antwort bleiben oder begründet umsteuern. Keine reflexartige Anpassung.

  8. 8

    Fachbegriffe ohne Inhalt

    Fehler: Der Prüfling wirft Begriffe wie Dissoziation, Katatonie oder Intrusionen in den Raum, ohne sie zu erklären oder zu belegen. Die Kommission hakt nach — und merkt, dass der Begriff nur als Schlagwort benutzt wurde.

    Besser: Jeden verwendeten Fachbegriff so einführen, dass er mit einem konkreten Befund oder einer konkreten Symptombeschreibung verknüpft ist. Lieber einfachere Sprache als leere Fachbegriffe.

  9. 9

    Keine Vorbereitung auf Nicht-Fachfragen

    Fehler: Auf Fragen zur Motivation, zur geplanten Tätigkeit, zur Abgrenzung der eigenen Praxis kommen vage Antworten. Die Kommission möchte einen reflektierten Menschen sehen, nicht nur ein Lehrbuch.

    Besser: Drei bis fünf Sätze zur Motivation und zum geplanten Tätigkeitsspektrum im Vorfeld ausformulieren und laut geübt haben — inklusive Antwort auf die Frage, wo die eigene Rolle endet und die ärztliche oder psychotherapeutische beginnt.

  10. 10

    Prüfungsangst nicht einplanen

    Fehler: Gut vorbereitete Prüflinge fallen durch, weil in der Prüfungssituation das Wissen blockiert ist. Der Tag der mündlichen Prüfung selbst wird nicht mitgeplant.

    Besser: Schon Wochen vor dem Termin mehrfach unter realistischen Bedingungen simulieren — laut, unter Zeitdruck, mit Bewertung. Prüfungstag-Routine festlegen (Schlaf, Ernährung, Anreise). Am Prüfungstag selbst kein neuer Stoff, kein hektisches Lernen — nur Ruhe und Wiederholung eines kurzen Merkzettels.

Diese Fehler lassen sich nur durch Simulation loswerden

Lesen reicht für die ersten sieben Punkte. Die letzten drei — Gegenfragen, Fachbegriffe auf Abruf, Prüfungsangst — brauchen mehrmalige Durchläufe unter realistischen Bedingungen. HPP-Bestehen simuliert genau das: freie Anamnese, Abschlussfragen der Prüfer:innen, differenziertes Feedback.

Häufige Fragen

Sind diese Fehler die häufigsten Ursachen für das Durchfallen?

Ja, sie decken sich mit den Rückmeldungen der Kommissionen nach nicht bestandenen Prüfungen und mit den publizierten Prüfungsprotokollen der Fachverbände. Die ersten vier Punkte (vorschnelle Diagnose, fehlende Gefährdungsabklärung, lückiges Rechtswissen, fehlende Rollen-Transparenz) sind nach übereinstimmenden Berichten die häufigsten K.-o.-Kriterien.

Kann ich mich gezielt auf jede dieser Fehlerarten vorbereiten?

Die ersten sieben lassen sich durch Methodik und Struktur adressieren — Anamnese-Schema, Gefährdungs-Checkliste, Rechtsnorm-Register, Rollen-Transparenz-Formulierung. Die letzten drei (Gegenfragen, Fachbegriffe, Prüfungsangst) brauchen Simulation: man muss die Situation mehrfach durchlaufen haben, bevor sie sich routinemäßig anfühlt.

Wie oft sollte ich vor der Prüfung eine mündliche Simulation machen?

Mindestens fünf bis zehn komplette Durchläufe. Entscheidend ist nicht die Zahl, sondern die Realitätsnähe: laut sprechen, mit Zeitdruck, mit einer zweiten Person, die Folgefragen stellt. Simulationen vor dem Badspiegel ohne Gegenüber ersetzen das nicht vollständig.

Welche Rolle spielt die Körpersprache?

Sekundär, aber nicht null. Ruhiger Blickkontakt zur Kommission, aufrechte Haltung, keine nervösen Gesten. Wer sichtlich in Panik gerät, wird inhaltlich kritischer geprüft. Wer gelassen wirkt, erhält in Grenzfällen eher den Vorteil des Zweifels.

Was tun, wenn ich während der Prüfung merke, dass ich gerade einen dieser Fehler mache?

Kurz pausieren, ansagen, dass man seine Antwort ergänzen möchte, und die fehlende Dimension nachziehen. Kommissionen bewerten positiv, wenn ein Prüfling Lücken in Echtzeit bemerkt und selbständig schließt. Verschweigen oder still weitersprechen ist die schlechtere Option.

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Die hier beschriebenen Fehlermuster spiegeln typische Rückmeldungsformulierungen und Protokollberichte wider. Die konkrete Bewertung eines einzelnen Prüflings hängt von der jeweiligen Kommission und dem Prüfungsverlauf ab. HPP-Bestehen erteilt keine Rechts- oder Prüfungsberatung.